• 75 Jahre Bergsteiger
• Bruckmann als Outdoor-Verlag
• Die „Dunkle Zeit“
Ein kurzer Rückblick
Der „Bergsteiger“ gibt sich zu bescheiden! Er feiert sein 75-jähriges Bestehen (was richtig ist, wenn man das erstmalige Erscheinen bei Bruckmann und das Aussetzen der Zeitschrift 1945 bis 1948 zu Grunde legt), dabei dürfte er mit Fug und Recht sogar das 85. Jubiläum begehen.
Denn bereits ab 1923 kam er – von der Sektion „Die Reichensteiner“ des D.Ö.A.V. in Wien verlegt – als Wochenschrift mit je 12 Textseiten zu 30 x 23 cm heraus. „Der Bergsteiger“ wollte ein Blatt sein, „das alles enthalten sollte, was ein Bergsteiger wissen will und zu wissen hat“. Von 1925 an erfolgte eine Gliederung in einen Nachrichtenblock und einen Kunstdruckteil. Vier Jahre später wurde „Der Bergsteiger“ Monatsschrift, erschien bei Holzhausen/Wien und bekam mit Julius Gallhuber einen renommierten Schriftleiter. 1930 holte sich der bergbegeisterte Verlagsleiter Alfred Bruckmann die Zeitschrift ins Haus – herausgegeben vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein. Sechs Jahre später wurde Josef Julius Schätz verantwortlicher Redakteur und er blieb es, durch Kriegsjahre unterbrochen, bis 1953. Dass der „Bergsteiger“ von 1934 bis 1937 auch den Rahmen für die „Mitteilungen des Fachamts Bergsteigen“ (die das amtliche Organ des „Fachamts Bergsteigen im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“ darstellten) bot, dürfte den linientreuen Schätz keine Bauchschmerzen bereitet haben.
Tolle Geschichten und Dissonanzen
Das Heft selber ließ von Naziideologie wenig erkennen. Walter Stösser, Hubert Peterka, Willo Welzenbach, Gustl Kröner, Fritz Schmitt, Fritz Kasparek, Henry Hoek schrieben, Rudl Peters erzählte von seiner Schüsselkarspitze-Südost-, Paul Aschenbrenner von der Travnik-Nordwand, Erwin Schneider vom Huascarán und vom Nanga Parbat, Ludwig Vörg von seinem Versuch an der Eiger-Nordwand mit Mathias Rebitsch, und einmal mehr brachte Schneider herrliche Bilder von einem „namenlosen Berg neben dem Quitaraju“ ein – es war der heute noch begehrte Alpamayo in der Cordillera Blanca. Freilich gab es auch (aus heutiger Sicht) Dissonanzen. Walter Pause ließ sich über „Alpenkorps im Angriff“ und „Alpenjäger im Kampf“ aus und Meinhart Sild, Sohn von Cenzi v. Ficker – der „Uschbabraut“ – und Hanns Sild, schwadronierte von Angstüberwindung, Härte und Kampfeswillen.
Der neue und der zeitgenössische „Bergsteiger“
Krieg und unmittelbare Nachkriegszeit! Im April 1949 Neubeginn der Zeitschrift, redigiert von J. J. Schätz bei Bruckmann. Jahrzehnte lang war der „Bergsteiger“ noch offizielles Organ des Österreichischen Alpenvereins. Unter den Chefredakteuren nach Schätz sorgte zunächst der Intellektuelle Hans Hanke für Kontinuität. Dieter Seibert, heute noch Bruckmann-Autor, löste ihn ab; danach kam Christof Stiebler, dessen Stärke das Beiholen von Statements prominenter Bergsteiger zu allen möglichen alpinismus-relevanten Themen blieb. Dem Extrem-Alpinisten Richard Stumhofer als Bergsteiger-Redakteur war nur kurzes Wirken beschieden; er kam 1979 im Kaukasus um. Georg Steinbichler gab 1982 den Chefredakteurssessel an Toni Hiebeler ab, der für eineinhalb Jahre an seine glorreichen „Alpinismus“-Zeiten erinnerte. Und drei Jahre lang hielt die erste Frau – Eva Sommer (ab Januar ’86 verheiratete Gehring) – das Ruder. Von 1988 an bis heute hält es Andreas Kubin, dessen
Fachkompetenz eine wohltuende Größe im Alpinzeitschriftenmarkt darstellt. Freilich hat
auch er sich dem „Mainstream“ zu beugen und Themen
wie Wandern, Klettersteig-/Skitourengehen und Praxisbezogenes dominieren deshalb das Heft. Dass es Kubin aber immer wieder schafft, über Entwicklungen, Trends und Aufsehen erregende Leistungen im Bergsport vor allem auch direkt von dessen Exponenten wie Heinz Zak, Reinhold Messner, Alexander Huber, Robert Jasper, Toni Lamprecht u.v.a.m. berichten zu lassen, gibt dem Blatt trotz des „bergsteigerisch gemäßigten“ Hauptinhalts den Touch von hohem alpinistischem Anspruch.
Von Horst Höfler